Braunschweiger Zeitung vom 27.12.2010
"Sport-Tugenden machen Kinder stark!"

Vier Leser unserer Zeitung befragten im Braunschweiger Pressehaus "Gentleman-Boxer", Ex-Champion und Olympiasieger Henry Maske über Regeln, Disziplin, Stolz - und seinen Einsatz für sozial benachteiligte Jugendliche.
Redaktion: Henry Maske, Sie setzen sich mit Ihrer Stiftung jetzt auch in unserer Region für benachteiligte Kinder ein. Worum geht es denn da eigentlich, was sind die Hintergründe? Die Volksbank-Initiative United Kids Foundations und ihre Macher haben mich beeindruckt und restlos überzeugt. Jeder erfolgreiche Sportler, jede Persönlichkeit, hat eine große Verantwortung. Mit der Henry-Maske-Stiftung versuche ich, jungen, benachteiligten Menschen eine Chance zu geben. Unsere „Perspektiv-Fabrik“ in Mötzow in Brandenburg vermittelt in Ferienaufenthalten nicht nur die Tugenden des Sports, Werte wie Respekt und Selbstkontrolle. Es geht auch um pädagogische Hilfen und eine Atmosphäre der Anerkennung und des Geborgenseins. Es ist gut, dass wir jetzt kooperieren – und demnächst auch sozial benachteiligte Kinder aus dieser Region ins Kids-Camp nach Mötzow kommen können.
Michael Rasehorn, Vorsitzender des Box-Clubs 72 Braunschweig und Vize-Präsident sowie Fan-Beauftragter des Löwen-Box-Teams aus Braunschweig, Salzgitter und Wolfenbüttel:
Disziplin – ist das denn ein Wert, den wir in unserer Gesellschaft heute noch vermitteln können oder sollten? Werte im allgemeinen werden als immer wichtiger empfunden – leider bleibt das aber allzu oft nur Theorie. Sport, speziell Boxen, kann hier durchaus eine wertvolle Hilfestellung leisten. Kinder müssen Regeln lernen. Ohne Regeln geht es nicht. Auch um erfolgreich zu sein, muss man Regeln beherrschen und einhalten. Sonst gibt es keinen Erfolg – das lernt man vom Sport.
Ulrich Hackbarth, Vorsitzender und Trainer des Box- und Athletik-Clubs (BAC) Wolfenbüttel:
War es ein Fehler, das durchaus Gute am DDR-Sportsystem ebenfalls weitgehend über Bord zu werfen – zum Beispiel Internate oder die Talentsichtung? Ich bin da sehr vorsichtig mit meiner Antwort. Allerdings reicht es sicherlich nicht aus, wenn sich das ausschließliche, entscheidende Kriterium lediglich in der Suche nach Sponsoren erschöpft. Ich denke, es muss viele Angebote geben – und auf die Schulsportlehrer sollte man besonders setzen. Jessica Stahl, die 17-jährige Braunschweigerin kam über eine Schul-AG zum Boxsport: Haben oder hatten Sie denn selbst ein Vorbild? Natürlich ist ein Max Schmeling als Charakter für mich ein Vorbild. Sportlich ist es ein Muhammad Ali, keine Frage. Und ich habe auch die kubanischen Boxer immer verehrt und genau studiert, zum Beispiel Teófilo Stevenson, der 1972, 1976 und 1980 olympisches Gold holte.
Jessica Stahl: Bei Ihnen kam es auf das Boxen an, nicht auf den K.o. Wie viele K.o-Siege haben Sie denn überhaupt?
Als Profi zehn, als Amateur noch weniger. Das Publikum hat sich trotzdem gefreut. Das Privatfernsehen übrigens auch, denn ich ging ja meistens über die volle Distanz.
Michael Seltmann, Vorsitzender und Trainer des Box-Clubs Heros Salzgitter:
Dein Trainer Manfred Wolke und Du, Ihr wart ein Erfolgsgespann. Warum seid Ihr plötzlich auseinander gegangen? Es war nicht plötzlich – aber man muss sehen, dass einfach ein anderer Lebensabschnitt beginnt, wenn die Sportler-Karriere beendet ist. Ich war 33 und konnte noch etwas vollkommen anderes tun, vor allem, weil ich mich entschieden hatte, nicht Trainer zu werden. Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu Manfred Wolke, aber es bleiben natürlich auch Konflikte nicht aus, wenn man derartig intensiv mit jemandem zusammenarbeitet.
Ulrich Hackbarth: Wie siehst Du das Verhältnis zwischen Amateur- und Profiboxen?
Der Amateursport ist die Grundschule, die heute leider einigen Boxern fehlt. Als Amateur habe ich mit Perfektion immer wieder an den Feinheiten gearbeitet, so gesehen ist das mein Leben. Die Amateure stehen im Boxen für gute Strukturen. Auf dieser Basis finde ich es jedoch auch gut, jungen Leuten eine Chance zu geben, daraus einen Beruf zu machen.
Michael Rasehorn: Was sagst Du Eltern, wenn Sie mit ihren Kindern Kämpfe wie jüngst sehen, als Klitschko-Gegner Briggs schwer verletzt im Krankenhaus landete? Also, 10-jährige Boxer, die können sich nichts tun. Als erstes wird ihnen die Verteidigung beigebracht. Natürlich gibt es Dinge im Boxsport, die sind für Laien schwierig zu verstehen. Allerdings gibt es auch Dinge, die man nicht akzeptieren kann – zum Beispiel, wenn ein Kämpfer wie Arthur (Abraham, Red.) mit Kieferbruch weiterboxt. Das hätte ich nicht durchgehen lassen.
Jessica Stahl: Waren Sie bei Ihren Kämpfen aufgeregt?
Ja, aber harte Arbeit hat mich runtergebracht. Wenn ich dann gut vorbereitet war, war ich ganz ruhig. Wer hart trainiert, braucht nicht mehr aufgeregt zu sein. Das kann man von Boxern lernen.
Arthur Abraham, Michael Seltmann und die United Kids Foundation:

Videoclick: Boxen statt Randale
http://www.youtube.com/user/vobabrawostiftung#p/u/7/BobMgWV3MYQ
Ansehen lohnt sich!
Wolfenbütteler Zeitung vom 19.04.2010
Das Jugendzentrum wurde zum Boxstudio
Integrationsprojekt des BAC Wolfenbüttel für Schöppenstedter Jugendliche mit kostenlosem Training
Von Tobias Wagner
SCHÖPPENSTEDT. Der Saal des Jugendzentrums glich einem Boxstudio. Sandsäcke hingen von der Decke, in der Mitte des Raumes war ein Boxring aufgebaut.
Hochmotiviert zeigten junge Menschen, was der Boxsport alles beinhaltet. Die Vorstellung war Teil des Integrationsprojekts vom Box- und Athletik Club Wolfenbüttel (BAC), das künftig für alle Interessierten im Jugendzentrum stattfinden soll.
Durch den Sport sollen jungen Leute ihre Grenzen und Fähigkeiten kennenlernen. Zudem wolle man junge Menschen von der Straße in die Halle zu holen.
"Bisher gibt es das Integrationsprojekt nur in unserer Halle in Wolfenbüttel. Wir haben jetzt beschlossen, dahin zu gehen, wo die Jugend sich trifft", sagt Ulrich Hackbarth, Trainer und Präsident des BAC. Mit dem Jugendzentrum in Schöppenstedt wurde eine erste "Außenstelle" gefunden.

Trainer Ulrich Hackbarth (rechts) zeigte den Zuschauern, wie ein Boxtraining funktioniert.
Foto: Tobias Wagner
Jeden Donnerstag soll es ab sofort von 19 bis 20.30 Uhr ein kostenloses Training für "Junge und Junggebliebene" geben. Das Projekt ist vorerst bis zu den Sommerferien terminiert. Bei entsprechendem Interesse denke man aber drüber nach, auch danach weiterzumachen, so Hackbarth. Der BAC lege Wert darauf, seine Integrationsarbeit auch im Landkreis Wolfenbüttel durchzuführen.
Weitere Informationen über dieses neue Projekt des Box- und Athletikclubs gibt es unter (01 71) 4 20 43 23 und im Internet unter www.bac-wolfenbuettel.de
"Ein guter Boxer hat seine Niederlage gehabt und aus ihr gelernt"
Im Camp mit Weltmeistern – Salzgitter AG macht Auszubildende auch mit Faustkampf fit fürs Leben
Von Henning Noske - Braunschweiger Zeitung v. 24.10.2009

Immer gut für eine Schau: Schirmherr Sigmar Gabriel (rechts) trifft Michael Seltmann, den Vorsitzenden und Trainer des Boxclubs Heros Salzgitter.
Es geht um Aggressionen, Emotionen, Kampf und Sieg. Und Niederlagen. Das ganze Programm. Nicht nur im Sport, sondern auch im Leben, im Wohngebiet, in der Clique. Da sind die Sprüche locker, manchmal auch die Fäuste.
"Jede dritte Körperverletzung wird heute durch unter 18-Jährige begangen", berichtet Andreas Twardowski von der Polizei Salzgitter. Der Mann kennt sich aus: Er leitet das Kommissariat für jugendliche Intensivtäter in der Stahl-Stadt. "Janz ruhig, janz ruhig, hat meen Trainer Manfred Wolke jesagt" – dieses Wort des früheren Weltklasseboxers Axel Schulz ist mittlerweile ein Klassiker. Das ist fast die ganze Geschichte eines Pilotprojektes der Salzgitter AG, das bundesweit seinesgleichen sucht. Da ist er ja, Manfred Wolke aus Frankfurt/Oder – und mit Faustkampf machte er in diesen Tagen 120 Auszubildende der Salzgitter AG drei Tage lang fit fürs Leben. Sie müssen heute stark sein, Niederlagen und Enttäuschungen verkraften, wegstecken. Doch sie dürfen auch nicht triumphieren, provozieren. Alles wie beim Boxen.
Drei Tage Box-Camp, Sparring, Konditionstraining, Praxis, Theorie. Das gibt es nur beim Boxen: Versuche, deinen Gegner richtig zu treffen. Hau ihn um. Und dann hilf ihm wieder auf. Natürlich nach Regeln. Nach gründlichem Training. Mit Mund- und Kopfschutz. Und vor allem: Mit Achtung. "Es reicht nicht, nur zu sagen: Hau mal gegen den Sandsack da. Man muss eine Bindung aufbauen", sagt Klaus Hofmann. Hofmann ist einer der erfolgreichen Trainer des Boxclubs Heros Salzgitter. So einer wird zur Autorität, zur Vaterfigur, zum Vorbild, zum Lehrer. "Wir bauen eine Beziehung auf", sagt Hofmann. In dieser Beziehung gehen sie durch dick und dünn. Eine echte Bindung, die viele Familien und Freundeskreise heute nicht mehr aufbauen können. Vertrauen. Es ist der Kitt, der eine Gesellschaft im Innersten zusammenhält. "Der Athlet wird begleitet. Am Ende perlen Lob und Anerkennung, aber auch Kritik, nicht mehr an ihm ab", weiß Hofmann. Und er legt nach: Selbstbewusste Typen sind nicht ständig nervös, sich neu beweisen zu müssen.
Was haben diese Tugenden des Sports mit dem Stahlwerk zu tun? Viel, weiß Personalvorstand Peter-Jürgen Schneider. Er hält das Boxen für eine der nicht-berufsbezogenen Qualifikationen, die man fördern will. Wohlgemerkt, Boxen à la Klaus Hofmann und Manfred Wolke. Und Boxen, wie es ein Weltmeister Harun Sipahi förmlich zelebriert. Der Klassemann aus Wolfenbüttel ist kein Schläger, sondern ein geschmeidiger Körper-Artist, einer, den du niemals packen kannst. Wer ihn verprügeln will, boxt meistens ins Leere. Wenn der Gegner schon schwitzt, tänzelt dieser Mann noch. Das ist Box-Ballett von der feinsten Sorte. Na ja, austeilen kann er natürlich auch.
Solche Sportler haben eine Aura, der man nacheifert. Bloß kommt die Leistung bestimmt nicht von selbst. "Disziplin brauchst du", erzählt Serkan Acar im Boxring der Salzgitter AG vor 500 Leuten, die meisten Auszubildende – und heimst einen Riesenbeifall ein. Einen wie Serkan hätten sie jetzt in dieser Situation nicht besser erfinden können. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Jugendvertretung hier – und hoffnungsvoller Nachwuchsboxer beim BC Heros. Das passt ja. Serkan hat ein dickes Pflaster auf der Nase. Vom Boxen. Sie wollen ihre Mitarbeiter gewiss nicht zum Prügeln auffordern. Doch Disziplin, Ausdauer, Leistungsbereitschaft – das kannst du halt brauchen im Beruf. Wer Erfolg haben will, muss selber etwas dafür tun.
"Ein guter Boxer hat seine Niederlagen gehabt. Ein besserer Boxer hat seine Niederlagen gelernt", sagt mit Europameister Eugen Burhard noch so ein Klassemann.
Schirmherr Sigmar Gabriel, der raumfüllende Politiker, hat ja auch schon viel gelernt – und einen untrüglichen Instinkt für populäre Bilder. Natürlich streift er an einem solchen Tag die Boxhandschuhe über – auch wenn es schwarz-gelbe sind. Klar, dass so einer auch Mitglied beim Boxclub Heros ist. Aber die Aktion ist klasse, nicht nur die Salzgitter AG hat das Boxen auf ihre Fahnen geschrieben, sondern auch die Salzgitteraner Unternehmen MAN, VW, Alstom und Bosch. Unterstützt werden sie neben Heros noch von BAC Wolfenbüttel und BC 72 Braunschweig. Auch die Klubs profitieren – und sichten neue Talente. "Zeichen setzen: Auszubildende für Toleranz und gegen Gewalt – Boxsport als Gewaltprävention" heißt das Programm. "Im Januar legen wir nach – dann findet ein neues Camp statt", kündigt Personaldirektor Herbert Wittek unter Beifall an.
26.09. Heros Salzgitter
Teilnahme am Salzgitter AG Jugend-Cup 2009
Im Rahmen des Salzgitter AG Jugend-Cups und der United Kids Foundation konnte der BC Heros im Stadion am Salzgittersee seine erfolgreiche Jugendarbeit präsentieren und auch zahlreiche boxinteressierte Jugendliche für Mitmachaktionen begeistern. Rund um den gut besuchten Kleinring beobachteten viele Zuschauer einige Darbietungen des umfangreichen Trainingsprogrammes. Viele Jugendliche nahmen die Gelegenheit wahr, mit den Trainern Michael Seltmann und Klaus Hofmann Boxtechniken an den Pratzen zu üben.
Der von der Curt Mast Jägermeister Stiftung gesponserte Bodenring eignete sich hervorragend, um den Kindern und Jugendlichen erste Kontakte mit dem Boxsport zu ermöglichen. Klaus Hofmann und Michael Seltmann konnten den "Ansturm" kaum bewältigen.